Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund vom 29. April 1978

Fußballspiel Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund am 29. April 1978
 

Das Fußballspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund vom 29. April 1978 fand am letzten Spieltag der Bundesligasaison 1977/78 statt. Borussia Mönchengladbach gewann das Spiel mit 12:0 und stellte damit den bis heute gültigen Rekord für den höchsten Sieg in der Fußball-Bundesliga auf.

Tabellensituation nach dem 33. Spieltag

Pl. Verein Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. 1. FC Köln (P)  33  21  4  8 81:41 +40 46:20
 2. Borussia Mönchengladbach (M)  33  19  8  6 74:44 +30 46:20

Borussia Mönchengladbach ging als Titelverteidiger in die Saison 1977/78. Nach einem schlechten Saisonstart belegte die Mannschaft vom 22. Spieltag an den zweiten Platz hinter dem 1. FC Köln. Vor dem letzten Spieltag lagen beide Mannschaften punktgleich an der Tabellenspitze, wobei die Kölner eine um zehn Tore bessere Tordifferenz hatten.

Borussia Dortmund hingegen kämpfte in der zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg 1976 darum, sich wieder in der Bundesliga zu etablieren. Nach einem 2:0-Sieg beim FC Schalke 04 am 31. Spieltag sicherte sich die Mannschaft den Klassenerhalt. Das Hinspiel der beiden Vereine endete 3:3 Vor dem letzten Spieltag war der Stammtorhüter der Dortmunder, Horst Bertram, nach einer Verletzungspause wieder einsatzfähig. Dennoch entschied sich Trainer Otto Rehhagel dafür, Bertrams Stellvertreter Peter Endrulat einzusetzen. Endrulat sollte noch eine Chance erhalten, sich für eine Verlängerung seines am 30. Juni 1978 auslaufenden Vertrages zu empfehlen. Am Morgen vor dem Spiel wurde Endrulat von Vereinsseite jedoch mitgeteilt, dass sein Vertrag nicht verlängert werde.

Tabellensituation nach dem 34. Spieltag

Pl. Verein Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. 1. FC Köln (P)  34  22  4  8 86:41 +45 48:20
 2. Borussia Mönchengladbach (M)  34  20  8  6 86:44 +42 48:20

Das Spiel

38.000 Zuschauer sahen die vom Schiedsrichter Ferdinand Biwersi geleitete Partie. Da die eigentliche Spielstätte der Gladbacher, das Bökelbergstadion, umgebaut wurde, fand die Partie im Düsseldorfer Rheinstadion statt.

Obwohl sich die Gladbacher Mannschaft keine Chancen mehr auf den Titel ausrechnete, ging die Mannschaft hoch motiviert in die Partie. Bereits in der ersten Spielminute brachte Jupp Heynckes die Gastgeber in Führung. Durch zwei weitere Tore von Heynckes sowie je ein Tor von Nielsen, Del’Haye und Wimmer stand es zur Halbzeit 6:0 für Mönchengladbach. Der direkte Konkurrent aus Köln führte gleichzeitig beim bereits als Absteiger feststehenden FC St. Pauli mit 1:0.
Dortmunds Trainer Otto Rehhagel hielt nur eine kurze Ansprache in der Halbzeitpause und appellierte an die Ehre der Spieler. Auf  Dortmunder Seite gab es keinen Spielerwechsel, da keiner der Reservespieler eingewechselt werden wollte. Rehhagel fragte Torhüter Endrulat, ob er ausgewechselt werden möchte. Endrulat erklärte jedoch, dass er weiterspielen wolle. Diese Entscheidung bezeichnete Endrulat später als falsch.
„Heute weiß ich: Ich hätte rausgehen sollen. Dann hätte Horst Bertram die sechs Dinger bekommen. Davon bin ich überzeugt. Die meisten vergessen, dass ich eigentlich fast alles gehalten habe, was haltbar war.“
Peter Endrulat
In der zweiten Halbzeit machte Mönchengladbach mit dem Toreschießen weiter. Heynckes (59. Minute) und Nielsen (61.) erhöhten auf 8:0. Dortmunds Trainer Rehhagel wollte den 35-jährigen Sigfried Held einwechseln, doch der lehnte mit den Worten „Trainer, soll ich jetzt etwa noch die Wende bringen?“ ab. Nach 66 Minuten erzielte Del’Haye das 9:0.
„Von der Ersatzbank rief man uns ständig zu, wie viel Tore wir noch machen mussten, um Köln zu packen. Als es 9:0 stand und sie riefen ‚noch drei‘, habe ich geantwortet: „Habt Ihr sie nicht mehr alle?““
Jupp Heynckes 
Nach weiteren Treffern von Heynckes (77.), Lienen (87.) und Kulik (90.) endete das Spiel mit 12:0.

Spieldaten

Borussia Mönchengladbach Borussia Dortmund

34. Spieltag
29. April 1978 um 15:30 Uhr in Düsseldorf (Rheinstadion)
Zuschauer: 38.000
Schiedsrichter: Ferdinand Biwersi (Bliesransbach)

Wolfgang Kleff –
Berti Vogts, Hans-Jürgen Wittkamp, Wilfried Hannes, Horst Wohlers – Christian Kulik, Herbert Wimmer, Carsten Nielsen – Karl Del’Haye, Jupp Heynckes, Allan Simonsen (77. Ewald Lienen)
Trainer: Udo Lattek
Peter Endrulat – Amand Theis, Werner Schneider, Lothar Huber, Herbert Meyer – Burkhard Segler, Miroslav Votava, Hans-Joachim Wagner – Manfred Burgsmüller, Wolfgang Frank, Peter Geyer
Trainer: Otto Rehhagel
Tor 1:0 Jupp Heynckes (1.)
Tor 2:0 Jupp Heynckes (12.)
Tor 3:0 Carsten Nielsen (13.)
Tor 4:0 Karl Del’Haye (22.)
Tor 5:0 Jupp Heynckes (32.)
Tor 6:0 Herbert Wimmer (38.)
Tor 7:0 Jupp Heynckes (59.)
Tor 8:0 Carsten Nielsen (61.)
Tor 9:0 Karl Del’Haye (66.)
Tor 10:0 Jupp Heynckes (77.)
Tor 11:0 Ewald Lienen (87.)
Tor 12:0 Christian Kulik (90.)

Auswirkung

Trotz des Rekordsieges verpasste Mönchengladbach die Meisterschaft. Der 1. FC Köln gewann gleichzeitig mit 5:0 beim FC St. Pauli und hatte bei gleicher Punktzahl eine um drei Tore bessere Tordifferenz. Damit gewannen die Kölner ihre dritte und bis heute letzte Deutsche Meisterschaft. Die Paulifans waren bei Durchsage der Zwischenstände aus Mönchengladbach misstrauisch geworden und hatten begonnen, den 1. FC Köln mit anzufeuern. Nach Spielende feierten sie die Meisterschaft mit und eine Fanfreundschaft entstand

 Am Tag nach dem Spiel wurde Trainer Otto Rehhagel, der in der Folgezeit „Otto Torhagel“ gerufen wurde, entlassen. Der Verein Borussia Dortmund belegte die beteiligten Spieler mit einer Geldstrafe in Höhe von jeweils 2000 Mark. Grund war „mangelhafter Einsatz“ und „vereinsschädigendes Verhalten“.   In den darauffolgenden Wochen wurde die Mannschaft von Borussia Dortmund bei verschiedenen Freundschaftsspielen vom Publikum verspottet.

Ein Kuriosum ist, dass diese zwölf Tore genau die Kapazität der Anzeigetafel im Düsseldorfer Rheinstadion war, weitere Tore hätten nicht angezeigt werden können

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